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mohnblume


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27.02.2005 16:35: Das dritte GeschlechtZitieren

Artikel von Karin Plattner
Publiziert in der Zeitschrift Schweizer Familie


© Schweizer Familie; 24.02.2005; Nummer 8; Seite 86
gesundheit



Das dritte Geschlecht

Es gibt Kinder, bei denen nicht klar ist, ob sie Mädchen oder Jungen sind. Die Eltern und Fachärzte stehen dann vor heiklen Entscheidungen.


Text: Nicole Tabanyi

Als Karin Plattner, 29, in einer milden Mainacht ihr erstes Kind zur Welt brachte, erblickte die Hebamme Jeanette Gröbli ein hübsches Neugeborenes mit rosigen Lippen und grossen Augen. Als ihr Blick hinunter zum Bauchnabel und dann weiter zu den Beinchen glitt, stand ihr Herz jedoch für einen Augenblick still. «Auf die Frage der Mutter, ob es ein Mädchen oder Junge sei, antwortete ich: «Ich weiss es nicht»», erinnert sich die Hebamme an die Nacht, in der sie zum ersten Mal ein Baby sah, das so offensichtlich anders war als alle andern.

Uneindeutiges Geschlecht

Erst nach diversen Abklärungen, bei denen Blut, Urin und Chromosomensatz des Kindes untersucht wurden, stand die Diagnose fest: Das Kind, das Karin Plattner geboren hat, ist intersexuell. Es leidet an Pseudohermaphroditismus masculinus, das heisst, es hat männliche Chromosomen, aber ein uneindeutiges Genitale.

Was heute als Intersexualität bezeichnet wird, ist eines der letzten Tabus unserer Gesellschaft: die Zweigeschlechtigkeit. In der Antike wurden so genannte Hermaphroditen verehrt, später wurden sie aus der Gesellschaft ausgestossen und im vergangenen Jahrhundert auf Jahrmärkten zur Schau gestellt. Auch Karin Plattner hat bisher nur anonym über dieses Thema gesprochen und wagt sich zum ersten Mal mit Foto an die Öffentlichkeit.

Seit den Fünfzigerjahren versuchen Chirurgen, Kindern, die intersexuell sind, mittels Operation eine eindeutige Geschlechtszugehörigkeit zu geben. In den Siebzigern waren solche Eingriffe gar Standard. Sie gehen auf den US-Sexualforscher John Money zurück. Er behauptete, dass man aus Mädchen Jungen, aus Jungen Mädchen und aus Intersexuellen sowohl Jungen als auch Mädchen machen könne - wenn sie nur zum entsprechenden Geschlecht erzogen würden. Diese These ist inzwischen widerlegt. Man weiss, dass Intersexuelle nach einer Operation Grenzgänger zwischen den Geschlechtern bleiben. Und: «Ein Neugeborenes oder ein Kleinkind sollte nicht zum Mädchen oder zum Jungen gemacht werden», meinen viele operierte Intersexuelle empört, die sich heute «verstümmelt», «von den Ärzten verraten» und von «den Eltern im Stich gelassen» fühlen. Doch wie kommt es dazu, dass ein Mensch intersexuell ist? Bis zur sechsten Woche weist jeder Embryo ein intersexuelles Genitale auf - also ein Geschlecht, aus dem beides werden kann. Dann entwickelt sich der Embryo durch hormonelle Impulse zum männlichen (XY-Chromosom) oder weiblichen (XX-Chromosom) Menschen.

Auf dem Weg zur Frau oder zum Mann kann es bei den Chromosomen, Enzymen oder Hormonen zu den verschiedensten Variationen kommen: Darum kann jemand durchaus von der Erbanlage her weiblich oder männlich sein und trotzdem eine andere Gestalt haben. «Mein Kind hat zwar einen männlichen Chromosomensatz, da die Körperzellen aber teilweise resistent gegen das männliche Hormon Testosteron sind, entwickelte sich der Körper weder eindeutig männlich noch eindeutig weiblich: eine seltene Form der Intersexualität», sagt Karin Plattner.

20 verschiedene Formen

Ähnlich verhält es sich bei der Gruppe Intersexueller, die sich XY-Frauen nennen: Von den Chromosomen her (Genotyp) sind XY-Frauen zwar männlich, ihr Erscheinungsbild (Phänotyp) und ihr äusseres Genitale jedoch eindeutig weiblich. Sie sind von andern Mädchen bis zu ihrer Pubertät nicht zu unterscheiden. Dann allerdings bleiben bei ihnen Achsel- und Schamhaare aus, weswegen man sie auch «Hairless-women» (Haarlose Frauen) nennt.

Nahezu zwanzig verschiedene Formen von Intersexualität werden heute unterschieden. Im Gegensatz zur Transsexualität, bei der die Betroffenen das Gefühl haben, durch einen Irrtum der Natur im falschen Körper zu leben, hat Intersexualität nachweisbar biologische Ursachen.

«Intersexuelle sind Menschen, die an einer angeborenen Fehlbildung leiden, allerdings ist diese nicht immer schon bei der Geburt sichtbar», weiss Marcus G. Schwöbel, Chefarzt der Kinderchirurgie am Kinderspital Luzern (siehe Interview). Bei manchen Betroffenen entdecken die Ärzte erst in der Pubertät die Intersexualität, weil beispielsweise die Menstruation oder eben die Schamhaare ausbleiben.
Wie oft Intersexualität vorkommt, ist schwer zu sagen. Schätzungsweise kommt jedes 5000. bis 7000. Neugeborene so auf die Welt. Das medizinische Nachschlagwerk «Pschyrembel Wörterbuch Sexualität» gibt sogar an, dass von 2000 Personen eine in irgendeiner Form intersexuell ist. Klaffen Chromosomen und Erscheinungsbild auseinander, so ist die gängige Behandlung nach wie vor eine Operation, bei der dem Kind meist vor dem zweiten Lebensjahr das intersexuelle Genitale in die weibliche oder männliche Richtung angepasst wird.

Bei andern Operationen aber sind die Chirurgen zunehmend zurückhaltend. Beispielsweise wenn ein intersexueller Mensch eine vergrösserte Klitoris oder einen Hoden, aber keinen Penis hat. «Bis vor zehn Jahren haben Ärzte und Eltern gemeinsam darüber entschieden, welche Geschlechtsidentität dem Kind gegeben werden soll. Heute möchte man die Entscheidung vermehrt dem Kind selbst überlassen, ob es später als Mann oder Frau leben will», sagt der Experte Marcus G. Schwöbel.

Auch Karin Plattner will ihrem inzwischen sechsjährigen Kind keine Identität aufzwingen. Den Termin für eine Operation haben sie und ihr Mann nach reiflicher Überlegung abgesagt. «Die Ärzte meinten, die Gesellschaft ertrage es nicht, wenn ein Kind anders sei als die andern, und rieten uns deshalb zu einem Eingriff. Trotz aller Ratschläge fühlten wir uns im Stich gelassen und wussten lange Zeit gar nicht, was los war.» Ihr Kind wächst im Moment als Mädchen auf. Später soll es selber die Entscheidung treffen können, ob es als Mann, Frau oder als intersexueller Mensch durchs Leben gehen möchte. «Ob sich Intersexuelle je ganz zum einen oder andern Geschlecht zuordnen können, bezweifle ich», sagt die Mutter. «Und sicher wird die Pubertät eine der schwierigsten Phasen werden.»

Aufklärung ist wichtig

Nach eindrücklichen Besuchen von Treffen Intersexueller in Deutschland hat Karin Plattner eine erste Selbsthilfegruppe für Intersexuelle in der Schweiz gegründet. Mitinitiantin ist die Hebamme Jeanette Gröbli, die inzwischen Weiterbildungskurse für Hebammen, Krankenschwestern und interessierte Gruppierungen anbietet. Ziel der Kurse ist es, dem medizinische Fachpersonal das Thema Intersexualität näher zu bringen. Zu unbändig sei der Wille der Mediziner und Forscher, an solchen Kindern zu experimentieren, sagt die Hebamme. Deswegen sei Aufklärung schon vor dem Gebärsaal wichtig.

«Wir wollen betroffene Kinder vor neugierigen Blicken und Übergriffen schützen und den Eltern eine solche Odyssee ersparen», sagt Hebamme Jeanette Gröbli. «Und vielleicht lernt unsere Gesellschaft eines Tages, dass Intersexualität sein darf und nicht nur etwas ist, was verschwiegen und vertuscht werden muss.»

Adresse: SI Selbsthilfe Intersexualität Schweiz; Postfach 4066; 4002 Basel; Mail: info@si-global.ch

«Positive Reaktionen»

Der Arzt Marcus G. Schwöbel beschäftigt sich seit 20 Jahren mit Intersexualität und operiert zweigeschlechtliche Kinder.

Schweizer Familie: Weshalb ist eine eindeutige Geschlechtsidentität so wichtig?

Marcus G. Schwöbel: Eltern von Kindern, die an einem intersexuellen Genitale leiden, stehen vor einem Dilemma. Sie fragen sich, ob ihr Kind nun ein Bub oder ein Mädchen ist, und wollen ihrem Kind die Möglichkeit geben, eine bestimmte Richtung zu leben. Die Idee unserer Chirurgie ist, dass wir versuchen, dem Kind die äusseren Formen zu geben, die seiner Geschlechtsidentität am besten entsprechen.

Bei welchen Kindern ist ein chirurgischer Eingriff denn ratsam?

Eindeutig ist die Entscheidung dann, wenn wir dem Kind durch den Eingriff die ihm gemässe Identität geben können. Zum Beispiel einem Mädchen, welches an einem so genannten AGS-Syndrom leidet (weibliche Chromosomen mit Vermännlichung des äusseren Geschlechts), den weiblichen Weg ermöglichen. Ebenso klar ist die Entscheidung bei einem Knaben mit Hoden und einem fehlgebildeten Penis. Hier hilft die Chirurgie, dem Patienten ein ihm gemässes Leben zu führen. Schwierig wird die Entscheidung dann, wenn ein Kind Hoden und eine Vagina aufweist. Hier besteht heute die Tendenz, eine Operation aufzuschieben.

In welche Richtung operieren Sie?

Da wir versuchen, jedem Kind die ihm gemässe Identität zu geben, operieren wir etwa gleich häufig in die weibliche wie in die männliche Richtung.

Wie alt sind die Kinder bei diesen Eingriffen?

In der Regel etwa zwei Jahre alt. Bis Mitte der Neunzigerjahre war es üblich, noch früher zu operieren, da man Fälle von Intersexualität als Notfälle betrachtete. Die Geschlechtsidentität soll möglichst früh nach der Geburt des Kindes vorhanden sein, so die damalige Meinung. Heute überlässt man die Entscheidung zunehmend den Eltern, wann und ob eine Operation durchgeführt werden soll.
Sind die Betroffenen mit der Wahl ihres Geschlechtes zufrieden?

Die wenigen Rückmeldungen von erwachsenen Patientinnen und Patienten sind fast durchwegs positiv. Ähnliche Resultate kommen aus grösseren amerikanischen und britischen Kliniken. Nur selten streben erwachsene Patientinnen und Patienten einen Geschlechtswechsel an, auch wenn sie mit ihrem Aussehen nicht durchwegs zufrieden sind.



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asta


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27.02.2005 18:30: RE: Das dritte GeschlechtZitieren

Dank dir, liebe Mohnblume, für diesen Artikel.....

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27.02.2005 18:42: RE: Das dritte GeschlechtZitieren


Wie alt sind die Kinder bei diesen Eingriffen?

In der Regel etwa zwei Jahre alt.


....wenn ich das lese dreht sich mir der Magen um !!!

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Olaf


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27.02.2005 20:01: ----------------Zitieren

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Editiert am 06.04.2005 21:53:25 von Olaf

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claudia (M+)


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27.02.2005 20:56: RE: Das dritte GeschlechtZitieren

mohnblume schrieb:
...Es leidet an Pseudohermaphroditismus masculinus,...

Ist die Sprache nicht verräterisch? Das Kind leidet. Dann sollten Hermaphroditen doch froh sein, wenn sie gleich nach der Geburt geholfen werden und sollten später nicht undankbar rummeckern.
Ich weiss, ich wiederhole mich, aber wenn nicht dazu gesagt wird, dass es nicht mit einer Operation getan ist, dann ist das Schönfärberei. Nicht nur ständige Nachuntersuchungen, sondern vor allem das Bougieren der Scheide bei einem Kind ist eine vielfache Vergewaltigungserfahrung.

>>Marcus G. Schwöbel: Eltern von Kindern, die an einem intersexuellen Genitale leiden, stehen vor einem Dilemma. Sie fragen sich, ob ihr Kind nun ein Bub oder ein Mädchen ist, und wollen ihrem Kind die Möglichkeit geben, eine bestimmte Richtung zu leben. Die Idee unserer Chirurgie ist, dass wir versuchen, dem Kind die äusseren Formen zu geben, die seiner Geschlechtsidentität am besten entsprechen.<<
Da wirds schon etwas deutlicher: Der Arzt verspricht den Eltern, "Normalität" herzustellen. Das ist die Idee hinter dem Produkt.
Was weiss er schon über die Geschlechtsidentität eines Babies?

<<Die wenigen Rückmeldungen von erwachsenen Patientinnen und Patienten sind fast durchwegs positiv. Ähnliche Resultate kommen aus grösseren amerikanischen und britischen Kliniken. Nur selten streben erwachsene Patientinnen und Patienten einen Geschlechtswechsel an, auch wenn sie mit ihrem Aussehen nicht durchwegs zufrieden sind.<<
Was weiss der Operateur von jungen Menschen, die sich wegen nicht näher definierten psychischen Problemen umbringen? Was weiss er über Menschen, denen nie gesagt wurde, was mit ihnen in der Kindheit angestellt worden war und die so bald wie möglich den Kontakt zum Elterhaus abbrechen und mühsam versuchen, mit ihrer Situation zurecht zu kommen?
Die grosse Mehrheit weiss nicht, wer mit ihnen genau was angestellt hat. Da lässt sich gut schwadronieren.

zornigen gruss
claudia

Editiert am 28.02.2005 22:38:12 von claudia

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claudia (M+)


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27.02.2005 21:25: RE: Das dritte GeschlechtZitieren

Olaf schrieb:
...Ich weiß leider nicht mehr, wo ich das gelesen hab, aber ich finde die Idee eines Paten (der selbst Hermaphrodit ist), der den Kindern an die Seite gestellt wird, sehr gut...

Hi Olaf,
möglicherweise hast Du die Sache mit dem Paten hier gelesen:
http://www.vfp.de/verband/zeitschrift/2003_01/hassel.pdf

Ich finde das auch gut, dazu ist es auch wichtig, den Kontakt intersexueller Kinder untereinander zu fördern.
Es wäre für mich, vor allem ab etwa dem 12. Lebensjahr, eine enorme Erleichterung gewesen. Wir hätten es dann auch besser geschafft, uns gegenüber Eltern und Ärzten besser zu vertreten. Aber genau da liegt wohl der Knackpunkt.

lieben gruss
claudia

Editiert am 27.02.2005 21:30:42 von claudia

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bedani


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27.02.2005 21:44: RE: Das dritte GeschlechtZitieren

Hallo Claudia (Danke für deine Worte!) und alle!

Hätte ich mich auf die Anfrage der Journalistin gemeldet, würde ich mich jetzt masslos darüber ärgern, durch meine Teilnahme als Intersexuelle womöglich noch dazu beigetragen zu haben, eine solche oberflächliche Darstellung der Dinge zu legitimieren. Wie so oft ist der Artikel schon von seinem Umfang her absolut ungeeignet, eine sinnvolle Auseinandersetzung mit der Thematik zu ermöglichen. Wenn die Mutter eines betroffenen Kindes zu Wort kommt und ein Arzt auch noch, da bleibt doch wohl nicht mehr viel Platz für die Aussage einer intersexuellen Person. Aus Platzgründen hätte man dann womöglich die kritischen Punkte, die leider mit der Aussage des Arztes nicht ganz kompatibel gewesen wären, gestrichen. Übriggeblieben wären dann wohl einige nichtssagenden Sätze. Aber das ist jetzt vielleicht eher Spekulation.

„Es leidet an Pseudohermaphroditismus masculinus, das heisst, es hat männliche Chromosomen, aber ein uneindeutiges Genitale.“

Werden die verschiedenen XY-Intersex-Formen immer noch unter dieser Meinung nach ziemlich veralteten und sowieso absolut nichtssagenden Bezeichnung zusammengefasst? Und natürlich wieder mal ein „leidet“, das mir als meinerseits 'masculiner Pseudohermaphrodit' sagt, was ich zu tun habe, nämlich leiden, krank sein! Und jemand, der krank ist, der ist nicht gesund, also auch nicht glücklich. Was wiederum eine Legitimation für die gängige Praxis bedeutet! Im Übrigen erschien der Artikel in der Rubrik "Gesundheit" und nicht beispielsweise in der Rubrik "Menschen" oder "Wissen".

„Bis zur sechsten Woche weist jeder Embryo ein intersexuelles Genitale auf - also ein Geschlecht, aus dem beides werden kann.“

Das stimmt so überhaupt nicht. Da werden Begriffe wahllos falsch verwendet. Ein Embryo in der sechsten Woche weist kein intersexuelles Genital auf. Es ist vielmehr so, dass das Genital in der sechsten Woche bei beiden Geschlechtern ‚weiblich’ ist, die Grundmatrix ist sozusagen weiblich, und dann findet, infolge der Wirkung der männlichen Hormone, beim XY-Menschlein eine Differenzierung in Richtung männlich statt (oder eben auch nicht, was uns ja nicht neu ist).

Es reicht eine kurze Recherche im Internet und man wird zum Beispiel unter http://www.quarks.de/y/0203.htm fündig:

„Die Vorstellung, dass zuerst Adam allein durch das Paradies streifte, bevor Eva aus seiner Rippe geformt wurde, ist zwar lustig, aber leider vollkommen falsch. Es ist eher umgekehrt: Der Ur-Mensch ist weiblich angelegt (Eva-Prinzip), wenn nicht eine Reihe ganz spezifischer Weichen gestellt werden. Diese Weichen befinden sich überwiegend auf dem kleinen Y-Chromosom.“

Schlecht recherchiert, kann man da nur sagen, oder: Papier ist bekanntlich geduldig.

„Ähnlich verhält es sich bei der Gruppe Intersexueller, die sich XY-Frauen nennen: Von den Chromosomen her (Genotyp) sind XY-Frauen zwar männlich, ihr Erscheinungsbild (Phänotyp) und ihr äusseres Genitale jedoch eindeutig weiblich.“

Also, dass „bei der Gruppe Intersexueller, die sich XY-Frauen nennen“, alle ein eindeutig weibliches Genitale haben, ist doch schlichtweg eine inkorrekte Aussage oder ist mir da etwas entgangen? Und dann darf natürlich wieder mal das Phänomen „Hairless-women“ nicht unerwähnt bleiben, das scheint die Leute besonders zu faszinieren.

„Wie oft Intersexualität vorkommt, ist schwer zu sagen. Schätzungsweise kommt jedes 5000. bis 7000. Neugeborene so auf die Welt. Das medizinische Nachschlagwerk «Pschyrembel Wörterbuch Sexualität» gibt sogar an, dass von 2000 Personen eine in irgendeiner Form intersexuell ist.“

Ich habe im Internet mindestens 30 Einträge gefunden, die den Pschyrembel mit 1:500 zitieren. Auch ein 1:2000 ist mir in den letzten Jahren häufiger begegnet, Zahlen wie die zitierten 1:5000 bis 1:7000 sind mir jedoch neu. Und überhaupt: Diese Jongliererei mit Zahlen, als ob es im Endeffekt darauf ankommt, ob nun ein intersexueller Mensch auf 500 oder einer auf 7000!?

"Positive Reaktionen"

Da sind wir nun also offenbar bei der abschliessenden Erkenntnis dieses Artikels angelangt, welche durch den Titel bereits vorweggenommen wird:

„Sind die Betroffenen mit der Wahl ihres Geschlechtes zufrieden?“

„Die wenigen Rückmeldungen von erwachsenen Patientinnen und Patienten sind fast durchwegs positiv.“

Obwohl weiter oben Intersexuelle zitiert werden: „‚Ein Neugeborenes oder ein Kleinkind sollte nicht zum Mädchen oder zum Jungen gemacht werden’, meinen viele operierte Intersexuelle empört, die sich heute ‚verstümmelt’, ‚von den Ärzten verraten’ und von ‚den Eltern im Stich gelassen’ fühlen.“

Das passt ja wie die Faust aufs Auge, zwei so widersprüchliche Aussagen im selben Text! Das ist doch gelinde gesagt absurd oder schon fast zynisch, wenn man bedenkt, dass die „wenigen Rückmeldungen“ doch damit zusammenhängen, dass die meisten Intersexuellen traumatisiert und nicht informiert sind, aus verständlichen Gründen ‚versteckt’ und oft einsam leben, oder sich umgebracht haben, will heissen keine verwertbaren Rückmeldungen tätigen mehr können oder wollen!

Fazit: Leider wieder mal ein Artikel, der das Thema gelinde gesagt in grossem Bogen umschifft und ihm nicht einmal ansatzweise gerecht wird, der ungenau und teilweise schlichtweg falsch informiert. Entweder werden wir mystifiziert oder wir erscheinen als „1“ innerhalb von 500, 5000 oder 7000. Und leider wieder einmal ein Artikel, der niemandem wirklich was bringt, am wenigsten den Eltern intersexueller Kinder, die auf der Suche nach Antworten sind und sich Hilfe holen wollen. Sie werden durch diese abstrakte Sprache und diffusen Aussagen höchstens entmutigt oder gar abgeschreckt und wählen dann den Weg des geringeren Widerstands und tun, was ihnen ihr Arzt sagt. Es steht nirgends ein "Ihr müsst das nicht tun!", weder wird darauf hingewiesen, dass kosmetische Operationen an Kindern ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte bedeuten!

Und dass ein Mediziner das letzte Wort in einem Artikel über Intersexualität hat, ist einerseits zum Schreien und andererseits aber leider Realität in einer Welt, wo eine zu grosse Klitoris oder ein zu kleiner Penis – denn darum geht es überspitzt formuliert letztendlich – die Grundfesten unserer zweigeschlechtlichen Gesellschaft zu erschüttern drohen!

Ebenso zornige Grüsse von

bedani

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Die Warheit ist dem Menschen zumutbar. (Ingeborg Bachmann)

Editiert am 28.02.2005 12:30:47 von bedani

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mohnblume


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27.02.2005 23:16: RE: Das dritte GeschlechtZitieren

Und hier noch eine Meinung, die mich privat erreichte, ich aber finde, dass sie in die bereits bestehenden Kommentare eingebettet werden soll:


"... einfach schlimm, was der Weißkittel da von sich gibt, weil die Gesellschaft …..

Alles Käse, wen du bedenkst, dass dem Kinde hier eine Einmaligkeit vereitelt wird. Hat es nur einen Arm, dann ist es behindert und alles ist gut. Aber mit dem Geschlecht kommen da manche nicht klar.. Was wird da für ein Aufriß gemacht, wenn eine Behinderung vorhanden ist: lernen damit zu leben und psycho Begleitung etc. und beim Geschlechte versagen sie, die da so viel helfen wollen."





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claudia (M+)


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28.02.2005 07:34: RE: Das dritte GeschlechtZitieren

Hi bedani, Ernesta & Alle,

angesichts solcher Artikel müssen wir uns über das Umfrageergebnis, siehe
http://23936.forendienst.de/show_messages.php?mid=4298690
nicht wundern (dass beide Beispiele aus der der Schweiz stammen, ist Zufall).
Nicht nur, weil so viel Mist verzapft wird, sondern auch weil Wesentliches verschwiegen wird, bin ich nicht besonders dezent, wenn ich über uns rede. Zum Beispiel darüber, dass im Interesse einer scheinbaren "Pflegeleichtigkeit" des Kindes, der Tarnung der "Peinlichkeit", vielen von uns die Chance zur Entwicklung einer gesunden Sexualität genommen wurde. Wenn gesagt wird, dass Hermaphroditen krank sind, muss auch gesagt werden, warum.

<<Entweder werden wir mystifiziert...<<
das ärgert mich auch, es stammt von Menschen, die nicht unser Leben leben und es ist so ähnlich, wie wenn die Reichen die Armut romantisieren. Deshalb zucke ich immer etwas zusammen, wenn vom "3. Geschlecht" die Rede ist.
Ich meine, es ist wichtig, sich von den Vorstellungen und Phantasien der Spiesserwelt nicht beeindrucken zu lassen, sondern sich selbst zu leben.
---
@mohnblume: Pia hat berichtet, dass Ärzte durchaus nicht nur Hermaphroditen zurichten, ausrichten, (hinrichten?) wollen und dabei bei der Lebensqualität Abstriche zu machen. Schliesslich ist es ja nicht das eigene Leben, das hier beeinträchtigt wird.
http://23936.forendienst.de/show_messages.php?mid=4247554
Wenn wir uns mal die Gesellschaft anschauen, in der wir leben, fällt auf, dass Manager und Politiker die gleiche Grundhaltung haben. Es ist für uns rentabel, für eine Gesellschaft zu kämpfen in der Menschen sich in ihre eigenen Angelegenheiten einmischen können und die jedem Kind eine freie Entwicklung gemäss seinen Eigenschaften erlaubt.

lieben gruss
claudia

Editiert am 28.02.2005 07:37:10 von claudia

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asta


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28.02.2005 08:53: RE: Das dritte GeschlechtZitieren

Mir fällt immer wieder eine sehr prägnante Gemeinsamkeit in Bezug auf Anspruch einer Gesellschaft, Einordung einer Auffälligkeit in ein bestimmtes Krankheitsmuster bzw. die dann folgende "Therapie" auf.... und die daraus resultierenden Schlußfolgerungen betreffs der EIGENTLICHEN Motivation.

Ein Kind hat ADHS. Es wird gängigerweise mit Ritalin und Co. behandelt. Verhaltenstherapien ect. fallen mittlerweile in den Status der in Frage gestellten Behandlungsformen, werden aber weiterhin von Kassen bezahlt und von Psychotherapeuten fleissig durchgeführt, solang das Kind medikamentös behandelt wird. Bei Absetzen schlägt eine Therapie in dieser Form nicht oder nur sehr wenig an und es ist fast aussichtslos, das Geübte und mühsam Gelernte im Alltag anzuwenden oder beizubehalten. Neue Erkenntnisse werden kaum zugelassen, d.h. ein Therapeut ohne klassischem Medizinstudium mit aber positiver Arbeitsweise und Erfahrung, anderem Therapiekonzept und mit sehr geringer bzw. keiner Medikation arbeitend, hat kaum Chancen, eine Kassenzulassung und somit auch einen Zulauf der entsprechenden Patienten zu erwarten und somit auch sein etwas anderes Hilfsprogramm den Hilfesuchenden zu Gute kommen lassen zu können. Das Dilemma... Die Kinder werden nach einer bestimmten gesellschaftlichen Norm und Vorstellung via einem Medikament mit noch unerforschten Langzeitwirkungen aufs Gehirn in ein Raster gepresst, um ihnen...so das vordergründig, gutgemeinte und viel ausgesprochene Argument, ein vernünftiges Leben zu ermöglichen und ihm eine Nutzung der eigentlich in ihnen ruhenden Intelligenz, die natura nicht oder kaum genutzt werden kann, zu bescheren. Verschwiegen wird mehr oder weniger, daß Ritalin und Co. eine bisher ungeahnte
Auswirkung langfristig auf die Gehirnchemie haben. Es wird in Kauf genommen, daß früh und sehr lang therapierte Kinder und Erwachsene zwar in ein gesellschaftliches Konstrukt eingegliedert werden können, aber vorraussichtlich ca. ab dem 40. Lebensjahr Parkinson, Persönlichkeitsverluste, Gedächtnisschwund usw. haben werden. Da es noch keine Langzeitstudien gibt, verabreicht man also fleißig weiter, steckt unbehandelte Kinder in die Sonderschulen, gewährt kaum Therapieformen, die tatsächlich auf natürliche Weise wirklich Hilfe bedeuten könnten und schiebt die immer mehr auftretende Verhaltensauffälligkeit in ein Abseits offensichtlich misslungener Erziehung und Nichtstimmigkeit. Es geht um eine normierte Erwartungshaltung in Bezug auf Leistung, Verhalten und Vorstellung über Normalität..... und, so kommt es mir immer mehr vor (und es ist zum Schreien), um wirtschaftliche, finanzielle Interessen einer Industrie zu sichern, die die Fäden via Presse geschickt in den Händen hält, um sich ihr Monopol und ihre Ziele quadratisch, praktisch gut zu verpacken.

Wenn ich davon ausgehe, daß Presse ein Organ zur Meinungsbildung ist ,das sich hervorragend eignet, um bestimmten Interessensgruppen Einfluß zu ermöglichen, komme ich last but not least, bei der Motivation an...d.h. um was es doch WIRKLICH geht.

Wenn eine Bundesregierung behauptet, sie hätte keine Informationen über negative Rückmeldungen von in der Kindheit umoperierten IS-lern, wenn eine Ärtzeschaft behauptet, daß im Prinip fast alle intersexuellen Menschen zufrieden mit ihrer Situation seien, dann muß ich von bewusster Manipulation ausgehen. Denn fakt ist, daß sehr viele Menschen durch ihr Verhalten, duch Äusserungen, durch ihre Leidensgeschichte ganz klar und deutlich herausschreien, daß die immer noch und vielgelobte Behandlung eigentlich für den Arsch ist. Hier geht es nicht um die betroffenen Menschen, eher um einen ganzen Wirtschaftszweig, um forschungsbezogenen Interessen, um Anpassung von Lebewesen an ein lebensfeindliches Konstrukt, welches sehr starr, sehr unflexibel und sehr verdrängend lebt und andere Interessen vertritt als die vordergründig Behaupteten. Aussagen betroffener Eltern, betroffener Kinder oder erwachsener umoperierter Hermaphroditen können solange umformuliert und so in einen Textablauf gesetzt werden, daß das Ziel auswählbar wird. Ich kann die Aussage eines diversen Arztes auch zuerst schreiben und dann die der Mutter und des Betroffenen. Meinungsbildende Organe können solang benutzt werden, solange die dahinterstehenden Interessen verborgen bleiben.

So wie die Allgemeinpropanda in Bezug auf ADHS funktioniert, so geht es auch mit IS. Es gibt zwar Stimmen ohne Ende contra, die Information bei der Therapieberatung geht prinzipiell in eine andere Richtung. Trotz Gegenargumentation ohne Ende bei Anwendung von Ritalin steigt die Kurve der verschriebenen Medikamente in den Himmel. Die Kinder sind schön ruhig und angepasst, die Pharmaindustrie verdient sich nebenbei eine goldene Nase, die Ärzteschaft und ihre Forschungsabteilungen können nebenbei ihre Langzeitstudien aufbessern und folglich werden die Kassierenden auch nicht zu kurz kommen, weil es gibt in einigen Jahren wieder was zu verdienen.

Alles funktioniert nach einen Raffprinzip.... Wenn ein Puzzleteil nicht ins Puzzle passt, kann man es doch zurechtschneiden.....

PS: Jetzt entscheide ich als Mutter eines ADHS-Kindes, eine zweifelhafte Medikation wegzulassen, weil ich trifftige Gründe dafür habe...Was passiert? Ich kann mich vllt. in der Arztpraxis durchsetzen, bekomme ein wohlwollendes Feedback von Psychologen, ernte aber unglaublichen Druck eines Schulsystems, was ständig mit dem Zaunpfahl der drohenden Klassenkonferenz oder des Schulverweises winkt. Das Kind verinnerlicht, es sei ein Idiot und eh behindert und lebt der zugewiesenen Schublade nach, genauso, wie es von ihm erwartet wird... Dann winkt neben der Sonderschule evtl. sogar ein Kinderheim schon von Weitem und ich stehe als Mutter in einem harten Gewissenskonflikt... Welche Folge ist nun schlimmer? Viel Auswahl bleibt nicht..... Es ist alles besch....eiden...

Wie war das gleich mit einem evtl. nichtoperierten interesexuellem Kind? Es kommt irgendwann in die Pubertät. Nehmen wir mal an, es schaut etwas mehr wie ein Mädel aus, ist genetisch aber männlich. Nun fängt es an, sich für die holde Weiblichkeit zu interessieren und plötzlich fliegt es elegant von der Schule.... Aus natürlich ganz anderem Grund, versteht sich von selbst.

Eigentlich wird hier seitenverkehrt aggiert. Statt die äusseren Gegebenheiten an den Menschen anzupassen, wird der Mensch in eine äussere Form reingequetscht, egal mit welchen Mitteln..... Das System bietet zwar die Meinungs- und Gewissensfreiheit an und feiert sich als demokratisch einwandfrei, jedoch sehe und erlebe ich, daß sie auf bestimmten Gebieten nicht existiert und lediglich ein Lippenbekenntnis ist....





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Editiert am 28.02.2005 17:25:03 von asta

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28.02.2005 11:55: RE: Das dritte GeschlechtZitieren

Klingt ja beinahe wie eine von vielen Verschwörungstheorien...nicht mal daran denken darf...!

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asta


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28.02.2005 17:27: RE: Das dritte GeschlechtZitieren

Hmmm....irgendwie hast Recht... mir war vorhin auch ganz schlecht....!!!!!

Die Sonne scheint, der Himmel is blau....(aber trotzdem krieg ich da n Anfall, wenn ich zu lang drüber nachdenk)



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28.02.2005 17:56: RE: Das dritte GeschlechtZitieren

Liebe Asta!

Du wirst es schon richtig machen! Eine Mutter wird ihrem Kind immer das beste geben!

Liebe Grüße
Farinella

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drago


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28.02.2005 18:06: RE: Das dritte GeschlechtZitieren

hi asta..

ich weiß du bist ne tolle mutter, mach was dir dein herz sagt...
lieb drück...
drago

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claudia (M+)


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28.02.2005 20:25: RE: Das dritte GeschlechtZitieren

Hi,

ich glaube nicht, dass wir da eine Verschwörungstheorie brauchen. Ist nicht einfach die Eigendynamik eines Systems am Wirken? Es war ja mal viel Vertrauen vorhanden: Der Doktor untersucht und weiss dann genau, was zu tun ist. Da muss man ihn nur machen lassen, dann ist alles gut. Der/die Patient/in lässt sich in die Therapie fallen und ist gut versorgt. Die Kasse weiss auch, dass alles, was der Doc sagt, gut & richtig ist und bezahlt. Das ist auch günstig für gewisse Industriezweige, die dann nur noch den Doc für sich gewinnen müssen.
Natürlich weiss der Doc auch, was für das Kind am besten ist, ja, dann leidet das Kind, aber manche Medizin ist bitter, da muss man durch. Wäre es nicht schlimmer, nichts zu tun?

Seit es das Internet gibt, werden Patienten auch schlauer, und manche Ärzte stellen sich schon darauf ein. Mit meiner neuen Hausärztin kann ich reden. Sie kann auch offen zugeben, wo sie sich nicht auskennt, und ich kann sagen was ich weiss und wie ich mich da organisiere. Wir verkehren auf Augenhöhe miteinander. Sie kann mich offen fragen und wird nicht verlegen, wenn ich antworte. Für mich ist das eine neue Erfahrung.

Mittlerweile hinterfragen ja immer mehr Eltern, was da für Ihr Kind vorgeschlagen wird. Und manche Ärzte beginnen nachzudenken.
Aber es ist für ein kleinen Hermaphroditen ungeheuer wichtig, die richtigen Eltern zu haben oder dass wenigstens der richtige Arzt die Eltern berät. Das muss noch anders werden.

lieben gruss
claudia

Editiert am 28.02.2005 20:51:08 von claudia

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asta


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28.02.2005 20:46: RE: Das dritte GeschlechtZitieren

An Verschwörungstheorien glaube ich ganz und garnicht. Es geht hier schlicht und ergreifend um Abläufe, weiter nichts, und die setzen sich aus vielen Bausteinen zusammen. Ärzte sind Menschen und es gibt sehr viele, die aufrichtig zusammen mit Patienten und Eltern nach Lösungen schauen. Ich fand z.Bsp. die Idee von Olaf sehr gut, im kleinen und erreichbaren Kreis aufzuklären. Das sind sinnvolle Möglichkeiten. Es macht natürlich keinen Sinn, große Abläufe ändern zu wollen. Manchmal ist es vllt. mal wichtig, was auszusprechen und da gibt es nicht sehr viele Orte, die verstehen können.

Den Gedanken mit der Patenschaft fand ich auch sehr gut.... Ich hoffe nicht, daß ich jetzt grad ein paar Threads verknote,.... sry

*mit winkenden Grüßen*

Anbei zum Threadtitel http://www.spuren.ch/archiv/archiv_comments/299_0_54_0_C/



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Nur der, der den Berg hinaufsteigt, kann über die Täler schauen. Der breite Weg ist nicht immer der Beste...

Editiert am 01.03.2005 07:48:09 von asta

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bedani


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01.03.2005 10:12: RE: Das dritte GeschlechtZitieren

hallo asta

asta schrieb:
PS: Jetzt entscheide ich als Mutter eines ADHS-Kindes, eine zweifelhafte Medikation wegzulassen,Das Kind verinnerlicht, es sei ein Idiot und eh behindert und lebt der zugewiesenen Schublade nach, genauso, wie es von ihm erwartet wird... Dann winkt neben der Sonderschule evtl. sogar ein Kinderheim schon von Weitem und ich stehe als Mutter in einem harten Gewissenskonflikt... Welche Folge ist nun schlimmer?


wie wahr! und wie bekannt mir das vorkommt! dein beitrag, der vergleich mit dem umgang mit ADHS-kindern zeigt sehr gut, welche mechanismen hier im spiel sind. es geht in der tat nicht um verschwörungen, es ist etwas weitaus schlimmeres, etwas unfassbares oftmals auch. ethische grundsätze, die einst grossgeschrieben wurden, werden schleichend 'abgebaut', anderes ist doch wichtiger: die wirtschaft, der fortschritt, weil - ach, ja: das kommt ja allen zugute, prosperität.

nachdenkliche grüsse

bedani

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Anja


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01.03.2005 18:43: RE: Das dritte GeschlechtZitieren

bedani schrieb:
ethische grundsätze, die einst grossgeschrieben wurden, werden schleichend 'abgebaut', anderes ist doch wichtiger: die wirtschaft, der fortschritt, weil - ach, ja: das kommt ja allen zugute, prosperität.


Wobei diese Prosperität immer mehr in Frage gerät. Ob dieser Fortschritt heute noch denen zugute kommt, die da glauben mit den Wölfen zu heulen, stellt sich doch immer mehr in Frage. Vor wenigen Jahren gab es wirtschaftlich zum Beispiel noch den Arbeitsfaktor MENSCH. Heute versucht man diesen zu streichen. Wir entwickeln uns zu einer Freizeitgesellschaft, wurde zynisch anhand der steigenden Arbeitslosenzahlen gesagt. Lansam lernen wir dazu, wer zu dieser Freizeitgesellschaft dazugehören darf und wer nicht.

Anja

Editiert am 01.03.2005 18:48:34 von Anja

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claudia (M+)


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01.03.2005 21:06: RE: Das dritte GeschlechtZitieren

Prosperität, hm ja. Vielleicht sollte man einfach jedem Bürger ein Bein absägen, das gäbe eine Superkonjunktur in der Prothesenindustie, mit Auswirkung auch auf andere Wirtschaftszweige.
Aber mit Hermaphroditen ist das Geschäft eigentlich nicht so riesig: Was sind 80 000 Hermis gegen 8 000 000 Typ2-Diabetiker?
Es sei denn, dass die Existenz von Hermaphroditen als bedrohlich gesehen wird: Attribute von Männlichkeit und Weiblichkeit sind schon ein Geschäft. Wer bewusst zwischen den Geschlechtern steht, ist möglicherweise für diese Art Produkte weniger ansprechbar und mach der Mehrheit vor, dass es sich ohne auch nicht schlecht lebt?
Aber die Grundlage des Zurechtkonfigurierens ist sicher die Annahme, wer nicht 100% Mann oder Frau ist, sei behindert. In meiner Jugend wollten mir Psychotherapeuten beibringen, ich leide schrecklich darunter, dass ich keinen richtigen Männerpenis hatte. Dass ich mir gar vorstellen konnte, so ein riesiges Ding zwischen den Haxen zu haben, auch das ständig entzündete Babyzäpfchen lieber losgewesen wäre, wurde als pubertärer Trotz interpretiert.
Und wer einen männlichen Vornamen hat, muss sich doch schrecklich genieren mit solchen Brüsten, das versteht jeder. Dass ich sie gerne mochte, zeigte, wie krank Hermaphroditen sind.
Die eigentliche Katastrophe ist vielleicht, dass ich nie auf Schmuck, tolle Klamotten oder schnelle Autos scharf war, weil ich eben die "Gender"-Attribiute für mich als unpassend empfinde.

Wenn ich im Gebirge wandere, kreist manchmal ein grosser Greifvogel über mir (neinein, kein Geier ). Er wird mich womöglich für krank oder schwerstbehindert halten: Ich kann nicht fliegen. Ich winke ihm zu und fühle mich gesund.

lieben gruss
claudia

Editiert am 02.03.2005 06:22:49 von claudia

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asta


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01.03.2005 21:43: RE: Das dritte GeschlechtZitieren

claudia schrieb:
Was sind 80 000 Hermis.....


Ohne mal auf alles andere zu achten, hab ich in einem Link eine mittlerweile viel höhere Zahl gefunden, die mich sehr erstaunt hat....

Nach Zahlenmaterial der Unversitätsklinik Lübeck gibt es 938. 000 Hermaphroditen in Deutschland.

..... ohne mal über evtentuelle Dunkelziffern nachzudenken...






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